
Dormagen hat das Potenzial, sich zum führenden Zentrum für das Recycling von Windkraft-Rotorblättern zu entwickeln. Der CHEMPARK bietet bestehende Industrieinfrastruktur, fachliche Expertise in Werkstoff- und Chemietechnik sowie direkte Anbindung an Forschung und Entwicklung.
Unser Antrag vom 19. Januar 2026
Beschlussvorschlag:
Der Rat der Stadt Dormagen beschließt, einen Prüfauftrag an die SWD zu erteilen, um Dormagen zum führenden Zentrum für das Recycling von Windkraft-Rotorblättern aufzubauen. Förderungen sind zu identifizieren, sowie Unterstützer aus der Landespolitik, Kreispolitik, IHK etc. anzusprechen. Der Stadtrat wird regelmäßig über den Sachstand informiert. Ferner eine Bedarfs- und Branchenanalyse auszuführen.
Begründung:
Dormagen hat das Potenzial, sich zum führenden Zentrum für das Recycling von Windkraft-Rotorblättern zu entwickeln. Der CHEMPARK bietet bestehende Industrieinfrastruktur, fachliche Expertise in Werkstoff- und Chemietechnik sowie direkte Anbindung an Forschung und Entwicklung.
Der Rhein-Hafen Dormagen ermöglicht kosteneffizienten Transport großer Rotorblätter per Schiff – ein entscheidender Vorteil bei sperrigen Bauteilen. Durch den Aufbau einer Recyclingindustrie entstehen hochqualifizierte Arbeitsplätze in Produktion, Logistik und Technik, und stärken die regionale Wirtschaft. Dormagen kann so Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Beschäftigung nachhaltig verbinden.
Bis 2030 fallen in Europa über 50.000 Tonnen Rotorblatt-Abfall an – rund 14.000 Blätter müssen rückgebaut werden. Die größten Mengen werden erwartet in:
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- Deutschland: ca. 23.300 t
- Spanien: ca. 16.000 t
- Italien: ca. 2.300 t
Obwohl diese Mengen im Vergleich zu anderen Abfallströmen gering erscheinen, stellen sie die Branche vor erhebliche Herausforderungen
Recyclingfähigkeit: Anspruch und Wirklichkeit
WindEurope spricht von bis zu 90 % theoretischer Recyclingfähigkeit von Windkraftanlagen. Diese Zahl betrifft:
- Metallkomponenten wie Stahl und Kupfer
- Betonfundamente
- Kabel und Elektronik
Bei Rotorblättern sieht es anders aus:
- Material: meist Glasfaser- oder Carbonverbundstoffe mit Kunstharz
- Recyclingquote laut Vestas: ca. 42–43 %
- Beispiel Vindeby (Dänemark): 99 % der Rotorblattmasse wurden deponiert
Die 90 % beziehen sich also auf das theoretisch mögliche Materialrecycling – nicht auf die aktuelle Praxis.
Brancheninitiativen und Investitionen
Um die Herausforderung zu meistern, investiert die Industrie in neue Recyclinginfrastruktur:
- EnergyLOOP (Spanien): Bau einer spezialisierten Rotorblatt-Recyclinganlage
- Caremag (Frankreich): 216 Mio. € für Recycling von seltenen Erden
- Business in Wind (Niederlande): neuer Standort zur Verarbeitung stillgelegter Anlagen
Regulatorische Hürden bremsen Fortschritt
Derzeit fehlt es an:
- Eindeutigen Abfallcodes für Rotorblätter
- EU-weiten Regelungen für Sammlung, Transport und Verarbeitung
- Verbindlichen Berichtspflichten zu Rückbau und Entsorgung
Folgen
- Blätter werden oft dem Bauschutt zugeordnet
- Sortenreine Erfassung und Recycling sind erschwert
- Materialien gehen für den Kreislauf verloren
Der Chempark braucht neue Aufträge, Dormagen hat das Know-how und die Infrastruktur, hier Marktführer zu werden.
Quellen & weiterführende Links
Über diese Reihe
Das Zentrum setzt sich für eine transparente Politik in Dormagen ein. Aus diesem Grund machen wir unsere Anträge, die wir im Stadtrat bzw. in dessen Ausschüssen stellen, hier 1:1 für jeden öffentlich zugänglich.
